Zingiber officinale

Unter Anderem zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden und zur Vorbeugung von Übelkeit wird Ingwer eingesetzt
Der Ingwer ist eine Staude mit einem ausdauernden, kriechenden, sich weit verzweigendem Wurzelstock aus dem sich einjährige, über einen Meter hohe Triebe bilden. Die länglichen, glänzenden und hellgrünen Blätter werden über 20 cm lang.
Die Pflanze blüht selten und wird in der Regel vegetativ vermehrt. Der Wurzelstock spielt schon seit dem Altertum in der Chinesischen und Indischen Medizin eine wichtige Rolle und wird vor allem in der asiatischen Küche auch als Gewürz geschätzt.
Anwendung
Je nach Herkunft kommt Ingwerwurzel in unterschiedlicher Qualität in den Handel, wobei die Ware aus Jamaica (Arzneibuchware), Bengalen oder Australien am hochwertigsten ist. Eine Besonderheit stellt eine Sorte aus Japan dar: der Kintoki enthält ein etwas abweichendes Spektrum an Inhaltsstoffen.
Der Ingwerwurzelstock enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus ätherischen Ölen und einem Scharfstoffanteil, den Gingerolen und Shoagolen besteht. Zubereitungen aus dem Ingwerwurzelstock wirken antiemetisch, entzündungshemmend, anregend auf die Magensaft-, Speichel- und Gallebildung und steigernd auf die Darmfunktion. Die antiemetische Wirkung scheint durch eine direkte Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt vermittelt zu werden. Diskutiert wird auch ein Antagonismus von Serotonin Typ 3 Rezeptoren. Ingwer wird daher zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen vor allem bei der Reise- oder Seekrankheit, verwendet. Zur Beurteilung der Sicherheit bei einer Anwendung zur Vorbeugung des Schwangerschafterbrechens liegt noch nicht ausreichend Material vor.
Verschiedentlich wird über eine günstige Wirkung bei Magengeschwüren, Kopfschmerzen und rheumatischen Gelenkbeschwerden berichtet. Diese Angaben sind aber bisher nur unzureichend untersucht.
Dosierung und Art der Anwendung
Tagesdosis: 2 bis 2 g Droge.
Als Antiemetikum: 0,5 g getrocknete Pulverdroge in Form von Fertigarzneimitteln 30 Minuten vor Reisebeginn und nachfolgend alle vier Stunden, oder 2 g frisch gepulverte Droge mit etwas Flüssigkeit einnehmen.
Bei dyspeptischen Beschwerden: 0,5 – 1,5 g grob gepulverte Droge mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und nach fünf bis zehn Minuten durch ein Teesieb geben. Vor den Mahlzeiten eine Tasse trinken.
Ingwer-Kapseln sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Literatur
- USDA, ARS, National Genetic Resources Program. Germplasm Resources Information Network – (GRIN) [Online Database]. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. URL: http://www.ars-grin.gov/var/apache/cgi-bin/npgs/html/taxon.pl?42254 (09 March 2004).
- Germer S, Franz G, Ingwer – eine vielseitige Arzneidroge / Anwendung und DC-Prüfung gemäß DAB 1997, Deutsche Apotheker Zeitung 47 (1997): 4260-4266.
- Falch B, Reichling J, Saller R, Ingwer – nicht nur ein Gewürz / Untersuchungen zu Wirkungen und Wirksamkeit, Deutsche Apotheker Zeitung 47 (1997): 4267-4278.
- Hori Y, Miura T, Hirai Y, Fukumura M, Nemoto Y, Toriizuka K, Ida Y, Pharmacognostic studies on ginger and related drugs – part 1: five sulfonated compounds from Zingiberis rhizome (Shokyo), Phytochemistry 62 (2003): 613-617.
- Penna SC, Medeiros MV, Aimbire FSC, Faria-Neto HCC, Sertie JAA, Lopes-Martins RAB, Anti-inflammatory effect of the hydralcoholic extract of Zingiber officinale rhizomes on rat paw and skin edema, Phytomedicine 10 (2003): 381-385.
- Marzell H, Wörterbuch der Deutschen Pflanzennamen, Verlag S. Hirzel, Leipzig 1943; Schilcher H, Kammerer S, Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag, München – Jena 2003.
- Hager-ROM, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 2003.
- Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 90 vom 15.05.1985.
- Monografie der Kommission B8, Balneologie, Bundes-Anzeiger Nr. 85 vom 05.05.88 (Berichtigung 01.09.90, 13.03.90).
- Europäisches Arzneibuch, 4. Ausgabe, Grundwerk 2002 und 5. Ausgabe, Grundwerk 2005.
