
Bei der Therapie von thrombotischen Erkrankungen hatte man bisher vor allem die Blutplättchen, die Thrombozyten, im Visier. Jedoch scheinen auch die Erythrozyten maßgeblich an der Thrombusbildung beteiligt zu sein.
Wissenschaftler der Universität des Saarlandes konnten jetzt erstmals in einem Laborversuch zeigen, dass Erythrozyten unter bestimmten Bedingungen so starke Anziehungskräfte entwickeln, dass sie aneinanderhaften und somit vermutlich Thrombosen verursachen können.
Bisher ging man davon aus, dass sich die Thrombozyten aneinanderlagern und dann die roten Blutzellen, die Erythrozyten, am Durchfluss hindern. Um die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) zu vermeiden, werden heute insbesondere Wirkstoffe eingesetzt, die das Blut verflüssigen.
Bei einer genaueren Untersuchung der Erythrozyten wurde jetzt gezeigt, dass sie einen Kanal besitzen, der durch Substanzen, die von den Thrombozyten ausgeschüttet werden, aktiviert wird. Durch diesen Kanal kann Calcium in die Zelle eindringen, was dort zu einer erhöhten Konzentration führt. Als Folge werden verschiedene Prozesse ausgelöst, die z. B. die Kräfteverhältnisse so verschieben, dass die Erythrozyten aneinanderhaften und verklumpen. Im Laborversuch nutzen die Wissenschaftler ein spezielles Kraftspektroskop. Dieses kann sogar die äußerst niedrigen Kräfte messen, die entstehen, wenn man zwei einzelne Erythrozyten, die man zuerst in Kontakt miteinander gebracht hat, auseinanderzieht. Der ermittelte Wert war in Anwesenheit der von Thrombozyten ausgeschütteten Substanzen mit 100 Piconewton (pN) recht hoch und belegt, dass die Anziehungskräfte zwischen den Erythrozyten eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blutgerinnseln spielen können.
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, 14.09.2011
