Rosa canina

Bei der Hagebutte, der Hecken- oder Wilden Rose, handelt es sich um eine Reihe von wildwachsenden Rosenarten, welche vom Nichtbotaniker nur schwer auseinander zu halten sind. Die hellrosa oder weißen Blüten sind im Gegensatz zu den Zuchtarten nicht gefüllt. Nach ihren Formen werden die roten Scheinfrüchte der Hagebutte als Hunds-, Alpen- oder Kartoffelrose definiert. Die moosartigen Auswüchse an den Zweigen, die nicht selten zu sehen sind, entstehen durch den Stich der Rosengallwespe und tragen die Bezeichnung „Schlafäpfel“.
Der schöne, kraftvolle Strauch hat die lateinische Bezeichnung „Rosa canina“, also Hundsrose, eigentlich nicht verdient. Ähnlich wie der Holunder oder die Hasel ist auch die Hagebutte fest in der mitteleuropäischen Mythologie verankert. So wurden die Zweige gegen Schadenszauber der Milchbehexung angewendet, ebenso die Früchte zur Weihnachtszeit als Viehschutz für das kommende Jahr. Auch versuchte man, Krankheiten vom Menschen auf den Strauch zu übertragen. In Oberfranken kroch der Patient mit Hauterscheinungen dreimal durch die Heckenrose, den „Hifenstrauch“, und sagte dabei: „Hifendorn bieg dich, Blattern verzieh dich.“
Zudem projizierte man landwirtschaftliche Orakel auf die Hagebutte. So wurde in Unterfranken eine reiche Blütenpracht vor Mariä Himmelfahrt als ein Hinweis für eine gute Weinernte gedeutet.
In der Pflanzenheilkunde werden die Hagebuttenschalen benutzt. Die reifen, geöffneten, von Früchten und Haaren befreiten Scheinfrüchte finden von den unterschiedlichen Arten dieser Gattung Anwendung. In der Homöopathie nimmt man eher die frischen Blütenblätter. Die Hagebuttenschalen sind reich an Vitaminen, besonders an Vitamin C. Sie weisen allerdings auch Pektine, Fruchtsäuren, Zuckerverbindungen, Carotine und Gerbstoffe auf. In geringen Mengen sind auch ätherische Öle zu nennen. In den Kernen haben wir fette Öle, Proteine und Phospolipide.
Eigentlich wird die Hagebutte mehr dem Lebensmittelbereich als den Arzneidrogen zugeordnet. Sie wirkt auf Grund der Pektine und Fruchtsäuren mild abführend und harntreibend. Ansonsten sind die frischen Früchte ein erstklassischer Vitaminspender. Das schon erwähnte Vitamin C ist unter anderem an dem Aufbau unserer Abwehr beteiligt, wirkt aber auch positiv auf das Nervensystem.
Vorrangig wird die Hagebutte als harntreibendes Mittel bei chronischen Entzündungen der Harnwege und bei Blasen- sowie Nierensteinen eingesetzt. Eine weitere große Indikation sind Erkältungskrankheiten. Auch zur „Magenstärkung“ werden sie eingesetzt und bei Gallegeschehen. Auch sollte an den rheumatischen Formenkreis gedacht werden. Die fetten Öle aus den Kernen weisen einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren sowie Vitamin A auf. Sie haben einen positiven Einfluss auf die Narbenbildung. Hier ist vor allem das Angehen von Aknenarben zu erwähnen. Dafür sind in erster Linie die Linolsäuren und alpha-Linolsäuren verantwortlich. Durch den hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren wird der Wasserverlust der Haut vermindert und die Talgdrüsenfunktion reguliert. Weiterhin wirken sie entzündungshemmend. Dadurch kommt es zu einer positiven Beeinflussung der Wundheilung. Allerdings wird auch der reiche Gehalt an Kieselsäure bei der positiven Haut- und Bindegewebetherapie eine große Rolle spielen.
Die Hagebutte hat ebenfalls eine nachgewiesene Wirkung auf die Nebennierenrinde. Diese leert sich bei Stress und hormonellen Disregulationen aus. Ein ständiger Auswurf von Adrenalin, dem „Aufreghormon“, führt früher oder später zu einem „Burn-out-Syndrom“. So sollte der gestresste Managertypus ebenfalls an die Hagebutte denken. Auch lange Cortisongaben können eine irritierende Wirkweise auf die Nebennierenrinde haben.
Die therapeutische Wirksamkeit sowie die Dosierung liegen bei zwei gehäuften Teelöffeln Hagebutten, welche mit einem viertel Liter kaltem Wasser übergossen und zum Sieden gebracht werden. Nach fünf bis acht Minuten leichtem köcheln wird abgeseiht und schlückchenweise getrunken. Ein Aufguss wie beim schwarzen Tee ist ebenfalls möglich. Es sollten täglich drei Tassen getrunken werden.
Mischungen mit anderen Pflanzenstoffen sind üblich. Beispielsweise kann Hagebuttenmark mit Bienenhonig versetzt hervorragend schnell in die Blutbahn aufgenommen werden. Die reifen Hagebuttenfrüchte werden hierfür an einem schattigen Ort zur Trocknung ausgebreitet. Hier sollte darauf geachtet werden, dass keine Hagebutten übereinander liegen, weil diese schimmeln könnten. Sind die Früchte schön weich, werden sie gehackt und der Brei mit einem Holzstößel durch ein Sieb gestrichen. Dessen Lochung sollte so groß sein, dass keine Kerne durchgelassen werden. Das Mark passiert als rote Paste das Sieb und wird auf der unteren Seite mit dem Messer abgestrichen. Dieser Vitamin C-reiche Brei wird zur Hälfte mit Honig vermengt und man erhält so das rohe Hagebuttenmark. Dies ist Delikatesse und Medikament zugleich. Eine tägliche Einnahme von einem Teelöffel deckt den ganzen Tagesbedarf an Vitamin C.
Peter Germann
Gesundheitshaus Viriditas / Phytaro Heilpflanzenschule Dortmund
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