Glycyrrhiza glabra

Arzneipflanze des Jahres 2012: Die Wurzel des Süßholz (Glycyrrhiza glabra)
Das Süßholz gehört zu den Schmetterlingsblütengewächsen und kommt in Südeuropa, im persischen Raum und Russland vor. Es handelt sich um eine holzige, mehrjährige Staude, welche bis zu eineinhalb Metern hoch wird. Die Pflanze entwickelt ein ausgedehntes Wurzelsystem, wobei sie Pfahl- und Nebenwurzeln, sowie sehr lange Ausläufer bilden. Süßholzblätter sind oval bis herzförmig, kurz und stachelspitzig, ihre Blüten stehen in Trauben.
Die Blütezeit ist im Sommer. Heute stammt die Handelsware größtenteils aus Kulturen.
Im Spätherbst werden die Wurzelausläufer ausgegraben und nach dem Schälen an der Sonne getrocknet. Durch Auskochung kommt man an den Süßholzsaft, der eindickt und zu Lakritzstangen gegossen oder gepresst wird.
Schon im Altertum war der Gattungsname Glycyrrhiza gebräuchlich, welcher sich aus dem griechischen glykys für „süß“ und rhiza, die „Wurzel“ ableitet. Der lateinische Artenname glabra bedeutet „kahl“ oder „klebrig“ und weist auf die an der Unterseite drüsigklebrigen Blätter hin. Auch später geprägte Namen wie Liquirita oder Lakritze sind Umwandlungen aus Glycyrrhiza.
Die Wurzel war bei den Griechen und Römern im Altertum hoch geschätzt, ebenso von den Ärzten des Mittelalters. In Bamberg gehört Süßholz noch heute zu einem der Wahrzeichen der Stadt.
Aber diese Wurzel findet nicht allein in der Antike und dem Mittelalter hochgelobte Anwendung, sondern gehört heute zu einem modernen Phytotherapeutikum.
Auf Grund der im Süßholz enthaltenen Saponine, vor allem der Glycyrrhizinsäure, wirkt die Pflanze auswurffödernd, schleimverflüssigend und schleimlösend. Auch eine Wirkweise gegen Bakterien und Pilze ist nachgewiesen. Zu den bekanntesten Anwendungsgebieten gehören Bronchialkatarrhe, Husten sowie Erkrankungen der oberen Atemwege.
Aber auch eine entzündungshemmende und krampflösende Komponente ist bekannt, sodass sich die Pflanze ebenso bei Magenbeschwerden, bis hin zu Geschwüren bewährt hat.
Im ostasiatischen Raum wird Süßholz bei mehr oder minder schweren Lebergeschehen eingesetzt, bis hin zur Hepatitis und Zirrhose. In der Forschung wird auch eine antivirale Wirkung untersucht. Da die Wurzel als Durstlöscher gilt, gehörte sie zur Standardausrüstung der griechischen Soldaten. Napoleon soll immer Süßholz bei sich getragen haben. Bis heute wird die Wurzel als Getränkebeigabe und in der verdickten Saftform als Lakritz geschätzt. In der Volksheilkunde ist auch der Gebrauch gegen Katererscheinungen nach Alkoholgenuss bekannt.
In der Teezubereitung werden zwei bis vier Gramm der getrockneten Droge mit einem Becher kochendem Wasser überbrüht und weitere fünf Minuten zum Sieden gebracht.
Nachfolgend sind ein Magen- und ein Hustentee mit Süßholzwurzel.
| Rp. | Magentee | |
| Süßholzwurzel | 40,0 | |
| Kamillenblüten | 40,0 | |
| Tausendgüldenkraut | 10,0 | |
| Pfefferminzblätter | 10,0 | |
| Melisseblätter | 10,0 | |
| M.f.spec. | ||
| DS | 2 Tl. Droge mit 150 ml heißem Wasser übergießen | |
| 5 Minuten köcheln, schluckweise trinken |
| Rp. | Hustentee | |
| Süßholzwurzel | 40,0 | |
| Spitzwegerichblätter | 20,0 | |
| Isländisch Moos | 20,0 | |
| Hagebutten ohne Kerne | 20,0 | |
| M.f.spec. | ||
| DS | 2 Tl. Droge mit 150 ml heißem Wasser übergießen | |
| 5 Minuten köcheln, schluckweise trinken |
Eine weitere gute Kombination zur Anwendung bei Husten ist Süßholz, Efeu und Thymian (z. B. in Broncholitan Sirup).
Hildegard von Bingen setzte die Süßholzwurzel bei Depressionen und als Entwöhnungsmittel ein. Sie schrieb:
„…Süßholz…bereitet dem Menschen eine klare Stimme, wie immer es gegessen wird, und es macht seine Stimmung gütig und klärt seine Augen und richtet seinen Magen-Darm zum Verdauungsgeschäft…
Aber auch einem frenetischen Menschen nützt es viel, weil es das Aufbrausen löst, das in seinem Gehirn tobt.“
Bei längerer Anwendung von Süßholzzubereitungen kann eine vermehrte Wassereinlagerung mit Schwellungen, vor allem an den Fußgelenken und im Gesicht auftreten. In einem biochemischen Vorgang wird die Natriumausscheidung vermindert und die Kaliumausscheidung erhöht, ein Blutdruckanstieg ist möglich.
Daher sollte die Anwendung von Süßholz beim Bluthochdruckpatienten nicht langfristig ohne therapeutische Absprache erfolgen. Das Gleiche gilt bei chronischen Leberentzündungen. Generell sollte Süßholzwurzel nicht länger als sechs Wochen angewendet werden.
Zum Schluss ist zur Süßholzwurzel zu sagen, dass sie breitbandig vor allem im Bereich der oberen Luftwege und im Gastrointestinaltrakt einzusetzen ist. Und – sie schmeckt auch noch gut!
Peter Germann
Gesundheitshaus Viriditas – Phytaro Heilpflanzenschule Dortmund
Im Karrenberg 56
44329 Dortmund
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