Gesundheit aus dem Meer

Seefisch, hier Makrele, enthält besonders hohe Mengen Omega-3-Fettsäuren
Fett galt bisher als ungesund. Fettarme und -reduzierte Kost sollten die Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Atherosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen minimieren. Dabei sind Fette essentiell für den Körper und an vielen wichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt.
Mittlerweile ist bekannt, dass Fett nicht gleich Fett ist. Wichtig ist, welche Fette zu sich genommen werden. Insbesondere den mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden positive Einflüsse auf den Organismus zugeschrieben. Hierbei haben sich die Omega-3-Fettsäuren als besonders hilfreich in der Prävention von atherosklerotischen Veränderungen der Gefäße und die Balance der Cholesterinwerte herausgestellt.
Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren
Zu den langkettigen Omega-3-Fettsäuren zählen neben der alpha-Linolensäure (ALA) die besonders in Fischöl enthaltene Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Die Bedeutung dieser essentiellen Fettsäuren waren lange Zeit nicht bekannt. Die Aufmerksamkeit der Wissenschaft wurde von der Tatsache gelenkt, dass Eskimos trotz einer sehr fettreichen Ernährungsweise geringe Herz-Kreislauferkrankungen aufweisen. Demnach kommt es auf die Art von Fetten an, die substituiert werden.
Eine Reihe epidemiologischer Untersuchungen zeigen, dass die Herzinfarktrate bei den in Grönland lebenden Eskimos gering ist, während in Dänemark lebende Eskimos die gleiche Infarktrate aufweisen wie Mitteleuropäer. Die Ernährung scheint den Untersuchungen zu Folge der Grund für diesen Unterschied zu sein. Die Kost beider untersuchter Gruppen ist hoch kalorisch, fettreich, enthält große Mengen an Cholesterin und tierischem Protein und ist Ballaststoffarm. Die Besonderheit liegt jedoch in der unterschiedlich hohen Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren.
Wirkung von Omega-3-Fettsäuren
Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sind essentiell für den menschlichen Stoffwechsel. Ein ernährungsbedingter Mangel kann neben vermehrt auftretenden Hautläsionen auch eine Beeinträchtigung der Immunabwehr bis hin zu neurologischen Ausfallerscheinungen zur Folge haben.
Der Körper nimmt eine große Menge an Omega-3-Fettsäuren unverändert auf und baut sie in die Zellmembranen ein. Dort bestimmen sie wesentlich deren Zustand, u.a. die Fluidität und Permeabilität und der davon abhängigen Zellfunktionen. Dies wirkt sich beispielsweise positiv auf die Fließeigenschaften des Blutes aus, weil Erythrozyten durch den Einbau von Omega-3-Fettsäuren in ihre Membran flexibler werden.
Bestandteile der Omega-3-Fettsäuren
Neben der alpha-Linolensäure (ALA) sind die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA) die beiden wichtigsten Vertreter der Omega-3-Fettsäuren.
- DHA ist an wichtigen Stoffwechselfunktionen beteiligt. Als Fettsäurekomponente von Phospholipiden ist sie integraler Bestandteil von Membranen, vor allem der Nervenzellen. So findet sich Docosahexaensäure insbesondere im Hirn und in der Retina.
- Auch die EPA wird für viele Funktionen des Stoffwechsels benötigt. So ist sie der Ausgangsstoff zur Bildung von Eicosanoiden, welche für Körperfunktionen wie das Immunsystem, die Blutgerinnung, die Regulation des Blutdrucks und der Herzfrequenz u.v.m. benötigt werden. Darüber hinaus ist EPA bei rheumatischen Prozessen und Psoriasis (Schuppenflechte) für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt.
Grundsätzlich kann keine eindeutige Abgrenzung in den einzelnen Wirkungsweisen von EPA und DHA vollzogen werden. Fest steht, dass insbesondere diese beiden Omega-3-Fettsäuren positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem besitzen.
Wie kann Fett Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv beeinflussen?
An der Entstehung dieser Zivilisationserkrankungen sind viele Faktoren beteiligt. Neben den bekannten Risikofaktoren wie Zigarettenrauchen, Hypertonie, Übergewicht, Diabetes mellitus und Bewegungsmangel gilt beispielsweise auch erhöhtes Cholesterin als Ursache. Dabei ist Cholesterin ein wichtiger Bestandteil des Stoffwechsels, solange die Werte sich in einer gesunden und ausgewogenen Balance befinden. Ist der Fettstoffwechsel gestört, wird Atherosklerose gefördert.
Risiko Cholesterin?
So wird Hypercholersterinämie schon seit Jahren mit der Entstehung von Atherosklerose in Zusammenhang gebracht. Grund dafür ist oxidiertes LDL, das maßgeblich an der Plaquebildung beteiligt ist. Entgegen früherer Ansicht ist nicht die Konzentration von Gesamtcholesterin oder HDL-Cholesterin, sondern das oxidierte LDL-Cholesterin ein wesentlicher Risikofaktor für die Atherosklerose. Aufgrund cytotoxischer Eigenschaften schädigt es Endothelien, stimuliert die Freisetzung chemotaktischer Faktoren, die eine Anlagerung von Monozyten und deren Umwandlung in Makrophagen begünstigen. Oxidiertes LDL hemmt darüber hinaus die positiven Eigenschaften des von den Endothelzellen gebildeten Stickstoffmonoxid (NO).
Entstehung von Plaque
Monozyten wandern aus der Blutbahn in den subendothelialen Raum und werden dort zu Makrophagen. Oxidiertes LDL wird im Vergleich zu LDL vermehrt über Rezeptoren in die Makrophagen aufgenommen. Während die Aufnahme von LDL über Rezeptoren einer Feedback-Kontrolle unterliegen, ist dies beim oxidierten LDL nicht der Fall. In den Makrophagen lagert sich unkontrolliert Cholesterin ein, sodass diese sich in Schaumzellen umwandeln, die wiederum zu Fettstreifen und letzten Endes zu Plaque werden.
Risiko LDL?
Neben der Höhe des Gesamtcholesterols hat sich insbesondere die Höhe des LDL-Spiegels als wichtiger Risikofaktor herausgestellt. In ihrer oxidierten Form gelten die LDL-Lipoproteine als treibende Kraft der Atherogenese. Als besonders problematisch gelten hohe LDL-Werte (>160 mg/dl) in Verbindung mit niedrigen HDL-Werten (< 45 mg/dl).
Risiko Triglyceride?
Inwieweit erhöhte Triglyceridwerte als Risikofaktor zu betrachten sind, wurde in der Vergangenheit kontorvers diskutiert. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass eine Hypertriglycerdiämie als unabhängiger Risikofaktor angesehen werden sollte. Eine Hypertriglyceridämie in Kombination mit erhöhten LDL- und dabei erniedrigten HDL-Werten erhöht das Risiko für kardiovaskläre Ereignisse um das 6-fache.
Omega-3-Fettsäuren: Ein wichtiger Beitrag zur Gefäßgesundheit
Zu den wichtigsten Effekten von Omega-3-Konzentraten gehört zweifellos
- die Senkung der Blutfette, insbesondere der Triglyceride,
- die Erhöhung des HDL/LDL-Quotienten, die Normalisierung des Blutdrucks,
- die Förderung der Durchblutung und die Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes,
- sowie eine Verringerung der Thrombozytenaggregation und ein antiinflammatorischer Effekt
Auch die günstigen Wirkungen auf den Herzrhythmus finden immer stärkere Beachtung. Omega-3-Fettsäuren fördern ferner die Hirn- und Gedächtnisleistung.
Zahlreiche klinisch-kontrollierte und epidemiologische Studien haben diese Wirkungen überzeugend belegt. Ernährungswissenschaftler und Mediziner fordern daher seit langem für einen konsequenten Schutz vor Herz-Kreislaufkrankheiten und für eine optimale neuronale Entwicklung eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren mit hohen Anteilen von EPA und DHA.
Datenlage (Auszug)
Die bisher umfangreichste Studie ist die GISSI-Studie (n=11.324) mit dem Ergebnis, dass die Supplementation von Omega-3-Fettsäuren die Mortalität um 20% gegenüber einer Kontrollgruppe hinsichtlich eines Herzinfarktes, gesenkt werden konnte. In der Lyon Diet Heart Study (n=302) führte eine Omega-3-Fettsäurereiche Ernährung zu einer 70% geringeren Re-Infarkt-Rate. In der DART-Study (n=2033) war die Überlebensrate nach überstandenem Herzinfarkt bei Männern, die Fisch, bzw. Fischöl konsumierten, um 29% höher als bei einer Kontrollgruppe.
Fisch für alle!
Aufgrund der positiven Eigenschaften und der natürlichen Wirkweise der Omega-3-Fettsäuren empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur Prävention zwei- bis dreimal pro Woche Fischmahlzeiten zu sich zu nehmen. Dabei sollten entgegen der gängigen Meinung, den fettreichen Kaltwasserfischen wie Makrele, Hering, Sardelle sowie Thunfisch den Vorzug gegeben werden. Diese Arten enthalten besonders hohe Mengen an EPA und DHA. Eine alternative Lösung stellt eine Supplementation durch Fischölkonzentrat dar.
Der Einfluss von Omega-3-Konzentraten auf Risikofaktoren
(Auswahl an Beispielen)
- Risikofaktor: Erhöhte Cholesterinwerte
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: leichte Senkung bei Gesamtcholesterin und LDL, deutliche Senkung bei VLDL, leichter (erwünschter) Anstieg von HDL
- Risikofaktor: Erhöhte Triglycerid-Werte
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: deutliche Senkung
- Risikofaktor: Hypertonie
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: Senkung von erhöhtem Blutdruck
- Risikofaktor: Herzrhythmusstörungen
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: antiarrhythmische Wirkung
- Risikofaktor: Gesteigerte Thrombozytenaggregation
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: Hemmung der Thrombozytenaggregation
- Risikofaktor: Durchblutungsstörungen
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: Senkung der Blutviskosität und Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
- Risikofaktor: Verengte Blutgefäße
Einfluss von Omega-3-Konzentrat: Gefäßerweiterung
Die protektiven Effekte der Omega-3-Fettsäuren können durch eine Gabe von Niacin in Form des besonders gut verträglichen Nicotinamids noch gesteigert werden. Neuere Erkenntnisse der Grundlagenforschung lassen jetzt erwarten, dass gerade in Bezug auf die Erhaltung eines gesunden Gefäßendothels das B-Vitamin Niacin die ernährungsphysiologischen Effekte von Omega-3-Fettsäuren optimal ergänzt.
Niacin
Nicotinamid besitzt ein hohes antioxidatives und membranprotektives Potential und schützt insbesondere das Gefäßendothel. Nicotinamid hemmt die Lipidperoxidation und wirkt membranprotektiv in Bezug auf oxidative Schäden. Für das Zusammenspiel mit Omega-3-Fettsäuren erscheint auch von Bedeutung, dass Nicotinamid relaxierend auf Blutgefäße wirkt.
Was ist Niacin?
Das Vitamin B3 umfasst mit der Bezeichnung Niacin auch die Nicotinsäure und Niacinamid. Hier besteht mitunter eine Begriffsverwirrung, da Niacin mitunter mit Nicotinsäure gleichgesetzt wird. Beide Stoffe können im Organismus ineinander umgewandelt werden. Nicotinsäure und Nicotinamid (auch als Nicotinsäureamid oder Niacinamid bezeichnet) sind in Vitaminmengen in gleicher Weise wirksam. Sie dienen im menschlichen Organismus zur Synthese der Coenzyme Nicotinamidadenin-Dinukleotid (NAD) und Nicotinamidadenin-Dinukleotidphosphat (NADP) und sind in vielen metabolischen Prozessen von besonderer Bedeutung, u.a. in der anaeroben Glykolyse, dem Krebszyklus (oxidative Phosphorylierung) und der Fettsäuresynthese und -oxidation.
Aktuelle Studien zeigen darüber hinaus, dass Nicotinamid offenbar die metabolische Situation bei Diabetes und die Betazell-Funktion verbessert, den klinischen Verlauf des Diabetes günstig beeinflusst und auch hier die Toxizität reaktiver Sauerstoffmetaboliten reduziert. Gerade Personen mit einem höheren kardiovaskulären Risiko wie z.B. Diabetiker sollten daher auch im ernährungsphysiologischen Vitaminbereich auf eine ausreichende Zufuhr von Niacin in Form des gut verträglichen Nicotinamids achten. Demnach erscheint eine Kombination von Omega-3-Fettsäuren mit Niacin (z.B. “Telcor Omega plus”, rezeptfrei Apotheke) hinsichtlich Gefäß schützender Wirkung besonders sinnvoll.
